Das Projekt "Salige"
Einleitung
Das Projekt „SALIGE – Kärnten anders erleben“ entwickelt eine immersive Erzählwelt, die multimedial erzählbar, museal begehbar und buchfähig ist.
Kern des Projekts „SALIGE“ ist der reiche Schatz der Sagenwelt das Alpe-Adria-Raums mit einem Schwerpunkt auf die Sagen Kärntens. Dabei werden diese Sagen aber nicht bloß nacherzählt, sondern eine neue Erzählung gesponnen, die aus dem Gedächtnis der existenten Sagen entsteht. Die historischen Überlieferungen sind statt bloßer Vorlagen das kulturelle Rohmaterial und liefern die wesentlichen Elemente wie Figuren, Orte, Landschaften und Bräuche, Konflikte und menschliche Eigenschaften und das Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Zuhörer/Leser/Zuschauer werden darin zu Teilhabenden, die sich in der Erzählung selbst wiedererkennen können, darin aktiv mitwirken und eigenständig unterschiedliche Erzählstränge wählen können. So wird die Erzählwelt der „Saligen“ zu einem vielschichtigen Erlebnis nach dem Grundprinzip „Sehen, Suchen, Entdecken, Verstehen“.
Die Salige als Erzählerin
Die „Salige“ ist in diesem Projekt keine gewöhnliche Hauptfigur. Sie ist als Erzählerin und Führerin Figur der Handlung, gleichzeitig aber auch als Hüterin des Wissens und Teil der Erlebnislandschaft das elementare Bindeglied zwischen den Zeiten.
Sie erklärt und belehrt nicht, sondern zeigt auf: erst wenn die Teilhabenden etwas selbst entdecken, können sie die Bedeutung dahinter verstehen. Die „Salige“ nimmt die Teilhabenden also mit auf ihre individuelle Reise durch die Erlebniswelt der Saligen in Kärnten.
Die Rolle der Teilhabenden
Anstelle der Begriffe „Zuhörer“, „Besucher“ oder „Zuschauer“ wird bewußt die Bezeichnung „Teilhabende“ für jene gewählt, die sich von der „Saligen“ durch die Erzählwelt begleiten lassen.
Eine persönliche Ansprache und eine sowohl alters- als auch geschlechtsunabhängige Behandlung lässt zwischen der „Saligen“ als Hauptfigur und den Teilhabenden eine ungewöhnliche Beziehung entstehen und ermöglicht eine neutrale Identifikation, die gleichermaßen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Einzelbesucher oder Kleingruppen wie Familien funktioniert.
Die Welt der Erzählung
Die Figur der Saligen existiert in vergleichbaren Überlieferungen im gesamten Alpenraum. Insbesondere bieten Sagen aus Südtirol/Tirol sowie Slowenien Parallelen.
Kärnten wird darum nicht als klar abgegrenzte Insel, sondern viel mehr als der tatsächliche Teil des südlichen Alpenraums und integrativer Bestandteil des Kulturraums Alpen-Adria vorgestellt. Dieses Überschreiten heutiger Verwaltungsgrenzen bietet wesentlich interessantere Bezugspunkte und Möglichkeiten, historische und kulturelle Verbindungen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
Die Regionen
Die einzelnen in der Erzählung aufgegriffenen Regionen machen durch ihre Landschaft, das Motiv der Sage das damit verbundene menschliche Thema sichtbar.
Mögliche Zuordnungen könnten die folgenden aktuellen Arbeits-Hypothesen sein:
- Rosental: Fluss, Wald, Grenzregion – Salige – Vertrauen
- Nockberge: Alm, Höhe, Wetter – Wildfrauen, Almgestalten – Maßlosigkeit
- Weissensee: Wasser, Feld, Wald – Heilerin – Wissen
- Lavanttal: Kulturlandschaft – Verborgene Wesen und Schätze – Gier
- Oberkärnten: Berge, Schnee, Höhen – Bergwesen – Mut
- Südkärnten: sprachlich und kultureller Übergangsraum – slowenische Überlieferungen – Identität
- Gailtal: Tal- und Grenzraum – Grenz- und Nachtmotive – Fremdheit
- Lurnfeld/Mölltal: Hochgebirge – Riesen und Bergwesen – Größenwahn
Der Jahreskreis
Die Wiedergabe des Jahreskreises anhand des phänologischen Kalenders bietet zugleich die Möglichkeit, die Jahreszeiten nicht nur atmosphärisch, sondern als eine innere Entwicklung der Teilhabenden darzustellen.
Entscheidend ist dabei die Grundidee, die Erzählwelt als immersiven musealen Erlebnisraum begehbar zu machen. Dieser würde vorwiegend wohl von Touristen während der Sommerhauptsaison besucht werden. In der Erzählung beginnt der Jahreskreis mit dem Herbst mit dem Motiv des fallenden Blattes, das sich zur Buchseite transformiert. So werden die Teilhabenden aus der Gegenwart abgeholt, erfahren im Jahreszyklus der Erzählung eine Transformation, die mit ihrer Entlassung zurück im Sommer der Jetztzeit und in der Möglichkeit der Anwendung und Weitergabe des Vermittelten endet.
- Herbst – Wahrnehmung: Die Welt wird sichtbar, weil etwas verschwindet; Blätter fallen, Vergangenheit wird sichtbar.
- Winter – Verlust: Stille, Dunkelheit, Abwesenheit: was bleibt, wenn nichts mehr sichtbar ist?
- Vorfrühling – Erinnerung: etwas beginnt, sich im Verborgenen zu regen.
- Frühling – Vertrauen: Das Leben kehrt zurück;
- Frühsommer – Entscheidung: die Teilhabenden müssen handeln
- Sommer – Weitergeben: die Geschichte ist nicht vorbei. Die Teilhabenden können etwas aus der Welt der Saligen mitnehmen in ihre Eigene.
Die Tageszeiten
Wie der Jahreskreis wandeln sich innerhalb der Erzählung auch die Tageszeiten und Wettersituationen. Dies bietet die Möglichkeit, durch eine eigene Lichtdramaturgie sozusagen eine „emotionale Kamera“ zu aktivieren und innerhalb einer Landschaft völlig unterschiedlich zu erzählen.
Beispiele der aktuellen Arbeits-Hypothesen:
- später Nachmittag: warmes Licht – Sicherheit
- Dämmerung: violett-bläuliches Licht – Übergang
- Nacht: kalt/dunkel – Unsicherheit
- Mondnacht: silbrig – Magie
- Morgengrauen: entsättigt – Erwartung
- Morgen: klar – Erkenntnis
- Mittag: hart – Wahrheit
- Gewitter: kontratsreich – Konflikt
- Nebel: diffus – Erinnerung, Ungewissheit
- Regen: spiegelnd – Veränderung
Dramaturgische Elemente
Sowohl in einer Umsatzung als Buch, Spiel oder Erlebnisraum spielt das Grundprinzip „Sehen, Suchen, Entdecken, Verstehen“ eine wesentliche Rolle.
Umgesetzt wird dieses nach dem Prinzip des „Guckkastens“: hinter Türchen, in Nischen und Löchern, in Schubladen oder Registern verbergen sich eigene Erzählsysteme oder Ebenen, die verschiedene Fragen beantworten, wie beispielsweise:
- Was geschieht in der Geschichte?
- Welche historischen Überlieferungen stecken dahinter?
- Was erzält die Sage über Natur, Mensch und Zeit?
- Welche Verbindungen lassen sich zwischen Einst und Jetzt hestellen?
- Was ist typisch für eine Region, einen Arbeitsprozess, ein Wesen?
Dieses System bietet die Möglichkeit, eigene untergeordnete Erzählstränge zu realisieren, weckt Neugier und Wissensdurst und funktioniert als Element der Unterhaltung und zur Aufrechterhaltung des Spannungsbogens sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.
Das Grundmodell
Die Erzählwelt bildet als Modell ineinandergreifende Ebenen ab:
- Die Landschaft: Kärnten und der Alpen-Adria-Raum als geografischer Raum.
- Die Sage: Das überlieferte kulturelle Gedächtnis
- Die Salige: Die verbindende Figur
- Der Mensch: Teilhabende und ihre eigenen Eigenschaften
- Die Zeit: Jahreskreis, Tageszeit und Wandel
- Die Gegenwart: Diese über allem liegende Ebene bleibt möglichst lange unsichtbar – erst im Verlauf erkennen die Teilhabenden „Diese Geschichte handelt von mir!“